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Bezahlbarer Wohnraum braucht pragmatische Lösungen

3. Mai 2025

Bezahlbarer Wohnraum braucht pragmatische Lösungen

Im Kanton Zug eine bezahlbare Wohnung zu finden, ist für viele fast unmöglich geworden. Die Mieten liegen rund 50 Prozent über dem Schweizer Durchschnitt – und steigen weiter. Die Leerstandsquote im Kanton Zug ist mit 0,4 Prozent die tiefste in der ganzen Schweiz. Das ist kein Zufall, sondern Folge einer jahrelangen Entwicklung, bei der vor allem teure Wohnungen entstanden sind. Familien, Alleinerziehende, junge Leute oder ältere Menschen mit AHV-Rente werden zunehmend aus dem Kanton verdrängt. Das soziale Gleichgewicht gerät aus den Fugen.

Ein Grundproblem liegt im Bodenmarkt: Wird Land neu eingezont, aufgezont oder durch einen Bebauungsplan nutzbarer gemacht, steigt sein Wert oft massiv – ohne dass der Eigentümer etwas dazu beiträgt. Diesen planungsbedingten Mehrwert soll eine Abgabe teilweise abschöpfen, um die Allgemeinheit zu entlasten und Raum für sozialen Wohnbau zu schaffen.

Die Mehrwertinitiative will die Gemeinden verpflichten, bei Um- oder Aufzonungen hohe Abgaben zu verlangen – bis zu 50 Prozent des Bodenwertgewinns (Mehrwert). Mindestens die Hälfte dieser Einnahmen soll für preisgünstige Wohnungen verwendet werden. Das klingt auf den ersten Blick gut, hat aber Haken: Die Initiative belastet auch kleine Projekte, bremst gemeinnützige Bauträger aus und schafft Unsicherheiten. So wird kaum mehr, sondern eher weniger gebaut.

Der Gegenvorschlag geht einen pragmatischeren Weg. Er verlangt ebenfalls eine verpflichtende Mehrwertabgabe, aber mit Augenmass: 20 Prozent und ein Freibetrag von 1,5 Millionen Franken. Wer bezahlbaren Wohnraum baut, wird entlastet – je mehr günstige Wohnungen geplant sind, desto geringer fällt der zu besteuernde Mehrwert aus. So entstehen echte Anreize, statt neue Hürden und Unsicherheiten.

Ich wünsche mir einen Kanton, in dem auch Menschen mit normalem Einkommen wohnen können. Darum stimme ich am 18. Mai Ja zum Gegenvorschlag – und Nein zur Initiative. Ja, der Gegenvorschlag klingt weniger revolutionär – doch vom ihm verspreche ich mir den deutlich grösseren praktischen Erfolg.

Matthias Ebneter, Rotkreuz