Kinder und Jugendliche im Zeitalter der Digitalisierung
7. Mai 2025
Wir leben in einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft. Bereits im Vorschulalter kommt die überwiegende Mehrheit der Kinder in Kontakt mit Smartphones, Tablets oder Computern. Im Primarschulalter besitzen laut Studien bereits mehr als zwei Drittel ein eigenes Mobiltelefon, häufig mit uneingeschränktem Zugang zum Internet.
Diese Entwicklung birgt Chancen, aber auch erhebliche Risiken. Auf Kinder und Jugendliche, welche sich oft ohne ausreichende Begleitung im Netz bewegen, lauern reale Gefahren: von unseriösen Webseiten oder datenhungrigen Apps bis hin zu Games mit Glücksspielfunktionen. Besonders alarmierend ist jedoch der Anstieg sexualisierter Gewalt im digitalen Raum, etwa durch Cybergrooming oder die Verbreitung von Missbrauchsdarstellungen.
Gemäss dem Bundesamt für Statistik wurden im Jahr 2023 in der Schweiz insgesamt 43’839 Straftaten mit digitalen Tatmitteln registriert, dies entspricht einer Zunahme von 31,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei rund 8 Prozent, was etwa 2800 angezeigten Fällen entspricht, handelt es sich um Cybersexualdelikte. Dabei dürfte die tatsächliche Zahl jedoch weit höher ausfallen, da viele Betroffene aus Scham oder Unkenntnis keine Anzeige erstatten.
Besonders erschreckend ist die Verbreitung von Darstellungen sexueller Gewalt an Kindern. Allein im Jahr 2021 wurden 1399 Fälle zur Strafverfolgung an die Kantone weitergeleitet, das entspricht fast vier Fällen pro Tag. Dabei handelt es sich nicht nur um einen neuen Höchststand, sondern auch um mehr als doppelt so viele Fälle wie noch im Jahr 2019.
Diese Zahlen zeigen deutlich, dass wir als Gesellschaft dringend handeln müssen. Dabei reicht es nicht, die Verantwortung ausschliesslich den Eltern zu überlassen, auch unser Bildungssystem muss sich der Digitalisierung und deren Gefahren annehmen. Ein wirksamer Schutz beginnt mit der Prävention. Deshalb fordere ich die Erweiterung des Lehrplan-Moduls «Medien und Informatik» mit digitaler Medienkompetenz. Denn es reicht nicht, technische Geräte im Unterricht einzusetzen, sondern Kinder und Jugendliche müssen lernen, wie sie sich sicher und verantwortungsbewusst im digitalen Raum bewegen können. Sie sollen lernen, wie man unseriöse Webseiten erkennt, was manipulative Inhalte sind und wie sie zwielichtige Personen erkennen können. Dies ist auch besonders wichtig im Hinblick auf das Phänomen der steigenden Deepfakes. Kinder und Jugendliche sollen verstehen, wie soziale Netzwerke funktionieren, wie Likes und Algorithmen sie beeinflussen können und wie sie ihre eigenen Daten schützen können. Ein Schwerpunkt sollte auf dem Schutz vor sexualisierter Gewalt im Netz liegen. Die Schülerinnen und Schüler sollen lernen, wie Täterinnen und Täter im digitalen Raum vorgehen, damit sie Übergriffe erkennen und richtig darauf reagieren können.
Zusätzlich zu der Aufklärung über diese Gefahren ist es unumgänglich, technisches Grundwissen aufzubauen, im Hinblick auf Bedrohungen wie Trojaner und Phishing-Mails, wie man diese erkennt und sich davor schützen kann. Eine Erweiterung der digitalen Medienkompetenz ist ein konkreter Schritt in die richtige Richtung. Es stärkt Kinder und Jugendliche darin, selbstbestimmt, kritisch und sicher mit digitalen Medien umzugehen und kann dazu beitragen, präventiv Straftaten zu verhindern. Prävention bedeutet nicht Kontrolle, sondern Befähigung. Wichtig ist es dabei, digitale Medien und das Internet nicht als grundsätzlich negativ darzustellen oder gar zu verbieten, sondern Kindern und Jugendlichen Schritt für Schritt und mit Verantwortung an deren Nutzung heranzuführen. Denn nur wer die Risiken kennt, kann sich schützen und nur eine Gesellschaft, die hinschaut und aufklärt, wird langfristig sicherer sein.
Gabriele Battiston, Präsident Die Junge Mitte Kanton Zug
Zuger Zeitung dem E-Paper vom 07.05.2025
